Pavlos Tsulfaidis: Microsoft „Open Source“ eCommerce System

Teile dies:

Vor einigen Monaten bin ich erstmals auf eine eCommerce Lösung im ASP.NET Bereich gestoßen. DotNET und damit Microsoft hat sich in den letzten Jahren ja nicht gerade mit Ruhm bekleckert wenn es um das Internet ging. Angefangen vom IE über den IIS. Da es sich aber um ein Open Source System handelt wurde ich neugierig und habe mich etwas genauer damit auseinander gesetzt. Pavlos Tsulfaidis ist CEO der SmartStore AG und stellt sich meinen kritischen Fragen.

Herr Tsulfaidis warum braucht die Welt noch ein weiteres Shopsystem?

Sagen wir es mal so, die Welt braucht in der Tat kein neues auf PHP basierendes Shopsystem, davon haben wir genug. Aber weltweit gibt es Hunderttausende ASP.NET Entwickler,die gerne in ihrer gewohnten Programmiersprache ein Shopsystem betreiben möchten. Diese Leute sind dankbar darüber, dass es SmartStore.NET gibt. Das bekommen wir immer wieder zu hören.
Ich kann Ihnen sogar Zahlen liefern. Wenn man auf GitHub schaut, wird man feststellen, dass wir neben Magento am schnellsten wachsen was die Stars anbetrifft. Genauso verhält es sich auch bei den Forks. Gerade diese sind ein Zeichen dafür, dass das System gerne angenommen wird.

Hier die Zahlen:

Zum Verständnis:
Das Datum z.B. bei SmartStore.NET, also der 06.2014 bedeutet ab wann wir unser Projekt hierher verlegt haben und bearbeiten. Die erste Zahl 30.09 – 189/ bedeutet,
wie viele Personen das Projekt beobachten, die Zahl 685/ bedeutet wie viele Personen das Projekt gut finden und die Zahl 504/ bedeutet wie viele Personen das Projekt geforkt haben.
Wenn man bedenkt, dass wir erst 06.2014 hier angefangen haben, sind wir eindeutig vor Shopware und OXID. Presta und Magento2 sind uns natürlich ein wenig voraus. Alle hier dargestellten Shopsysteme, außer unserem, sind PHP basierend. In der Tat braucht die Welt scheinbar kein weiteres PHP System, aber ein weiteres oder besser DAS ASP.NET basierende Shopsystem.

Open Source und Microsoft beißt sich das nicht?
Nein absolut nicht, das war einmal. Seitdem bei Microsoft der neue CEO Satya Nadella die Führung übernommen hat, ist Open Source kein rotes Tuch mehr für MS. Vielleicht haben Sie es auch mitbekommen, vor knapp einem Monat hat sich Microsoft der Linux Foundation angeschlossen. Schauen Sie bitte wie viele Projekte inzwischen OSS sind. https://github.com/Microsoft.
Hier mal exemplarisch zwei sehr wichtige Microsoft Projekte auf OSS:
https://github.com/Microsoft/Windows-universal-samples
https://github.com/Microsoft/dotnet

Microsoft freundet sich mit Open Source an 21.07.2016
http://www.computerwoche.de/a/microsoft-freundet-sich-mit-open-source-an,3314345

Seit Satya Nadella als CEO die Führung von Microsoft übernommen hat, geht Microsoft andere Wege bezüglich der Zusammenarbeit mit der Open-Source-Community. So integriert der Software-Riese etwa die Open Source Bash-Shell in Windows oder stellt das .NET Framework sowie andere Tools unter Open Source.

Immer wenn es um das Internet geht, fallen mir zig Unternehmen ein. Nur Microsoft kommt da immer an letzter Stelle. Warum sollte ich als Ihr Kunde gerade auf Microsoft setzten?

Ihre Frage ist berechtigt, der Kunde selber interessiert sich in erster Linie nicht unbedingt dafür, es sind die Techniker (Entwickler) die wir ansprechen. Man darf nicht außeracht lassen, dass gerade Microsoft im gehoben Bereich den Markt dominiert. Denken Sie an Windows, an den Outlook/Exchange Server, Office, Dynamics oder Azure usw. die Liste ist unendlich.

Für welche Kundengruppe eignet sich Ihre Lösung denn im speziellen?
Wie schon geschrieben, ist der gehobene Microsoft affine Partner unser Kunde. Das zeichnet sich schon jetzt ab. Obwohl wir erst ab erstes Quartal 2017 mit unserem Partner-Programm beginnen, haben wir zahlreiche Anfragen solcher MS Partner aus dem deutschen Raum und auch aus dem Ausland. Die Kundengruppe selber ist im Grunde die gleiche die auch Shopware, OXID oder Magento akquiriert, nur das wir stärker im Ausland wachsen als im deutschsprachigen Raum, das wollen wir ändern.

Und brauche ich eine Agentur die mir den Shop einrichtet oder wie sieht Ihr Modell da im Detail aus?

Im Prinzip kann jeder der etwas Technik Affin ist den Shop selber downloaden und installieren, das ist kein Hexenwerk. Man muss sich aber im Klaren sein, dass wir als Unternehmen ohne ein funktionierendes Partner-Netzwerk kaum an die interessanten Projekte kommen. Nehmen wir als Beispiel das Projekt Sacher aus Wien. Das Projekt hat ein Partner von uns aus Österreich akquiriert und mit uns gemeinsam umgesetzt. Die Kosten des Projektes liegen im sechsstelligen Bereich. Das Projekt selber geht offiziell im ersten Quartal 2017 online.
Hier das Demo Projekt: https://shop.sacher.com/
Ob ich eine Agentur brauche? Ich würde sagen, dass das mit Sicherheit dem Projekt gut tun wird.

Und wie viele Kunden haben Sie bereits in Deutschland und International? Und gibt es schon Namhafte Referenzen?

Sie dürfen nicht vergessen, dass wir einer der ältesten Shopsystem-Hersteller in Deutschland sind. Vor uns war nur Intershop. Auf der CEBIT 1999 haben wir unser damaliges Produkt auf sechs Quadratmeter Standfläche vorgestellt. Uns gegenüber war Hybris mit 12 Quadratmeter. Insgesamt haben wir von Anbeginn bis heute mehr als 20.000 Lizenzen der SmartStore.BIZ verkauft. Unser aktuelles Produkt SmartStore.NET dürfte im deutschsprachigen Raum ca. 1.000 Shops haben und international noch einmal ca. 5.000. Absolute Zahlen kann ich nicht liefern, was ich aber nachweislich sagen kann, wir haben seit der Freigabe am 05.2013 SmartStore.NET 135.000 Downloads registriert.

Referenzprojekte sind:
ORIGINAL SACHER ONLINESHOP
https://shop.sacher.com/
UK Wedding Favours: wedding favours & sweets
https://www.ukweddingfavours.co.uk/
Über 40 Jahre zählt BAUER – MUSIC zu den führenden deutschen Fachhändlern.
https://www.bauer-music.de/
TRENORD is the first operator to specialise in local transport by rail.
http://store.trenord.it/
Der Autoteile Spezialist aus Holland.
http://my-parts.nl/
Dänische Marke BERING
http://www.beringtime.com/de-de

Können Sie auch schon was zu Ihrer Roadmap für die kommenden 2 Jahre verraten?

Im Ersten Quartal 2017 kommt unsere SmartStore.NET Version 3.0. Mit ihr ändert sich für uns so ziemlich alles. Gleichzeitig mit der Freigabe der Version 3 kommt auch unsere neue Homepage. Mit der Freigabe der Version beginnen wir unser Partner-Netzwerk auszubauen. Das wird auf drei Stufen basieren. Falls Sie auch darüber Infos haben möchten sagen Sie mir bitte Bescheid.
Im Vierten Quartal 2017 bringen wir eine Enterprise B2B Edition für 19.900€ (pro Jahr
inkl. Support) auf den Markt. Wir glauben, dass gerade im B2B Bereich in den kommenden Jahren das meiste passieren wird. Bis Ende 2018 haben wir vor, ein im Enterprise Segment angesiedeltes DAM herauszubringen. Das natürlich mit der SmartStore.NET absolut Kompatibel ist, aber auch so von jedem nutzbar sein wird. Auch eine Marketplace Edition ist angedacht.
Vielen Dank Herr Tsulfaidis für die wirklich sehr ausführlichen Antworten. Vor allem Ihre offenheit schätze ich sehr. Im Appendix an dieses Interview gibt Herr Tsulfaidis noch einige interessante und offene Hintergründe zur SmartStore AG. Ich wünschte mir Ihre Mitbewerber würden genauso offen mit IHren Zahlen und Hintergründen umgehen.
Dietmar Hölscher führte das Interview mit Pavlos Tsulfaidis einem gebürtigen Griechen der seit seinem 12 Lebensjahr in Dortmund lebt. Er gründete nach Stationen in der Gastronomie und als Versicherungsvertreter 1997 eine GBR im Bereich Hard- und Software, aus der 1999 die SmartStore AG hervorgegangen ist.

2 Kommentare