Wilhelm J. Krefting: Kindle Direct Publishing vs. Tolino Media

Bild-Quelle: wn.de
Teile dies:

Die deutsche Selfpublisher-Szene wird derzeit von einem erfolgreichen Krimi- und Thriller-Autor aufgemischt: Wilhelm J. Krefting. Krefting schockt die Krimigemeinde mit Titeln wie „Leichenernte“ oder „Todeshimmel“, die sich bereits über 30.000 Mal verkauft haben. Er setzt dabei hauptsächlich auf eBooks. Im Interview mit Dietmar Hölscher erzählt er von seinen Erfahrungen mit der Kindle Direct Publishing Plattform von amazon und deren Konkurrenten Tolino Media der deutschen Buchhändler.

 

Wie vermarktet man heutzutage sein Buch als Selfpublisher in Deutschland?

Im Prinzip gibt es zwei wichtige Selfpublishing Plattformen in Deutschland: Kindle Direct Publishing von Amazon, das es seit 2011 in Deutschland gibt, und Tolino Media, die Plattform der deutschen Buchhändler der Tolino-Allianz. Dazu gehören etwa Thalia, Weltbild, Hugendubel usw. Tolino Media ist noch recht neu am Markt, denn es wurde erst Ende April 2015 aus der Taufe gehoben, ist aber seitdem schon sehr erfolgreich unterwegs.

Wie funktioniert das Veröffentlichen?

Da gibt es erst mal vom Prinzip her keine großen Unterschiede. Innerhalb der Plattformen laden die Autoren den Text und das Cover hoch, geben alle Angaben und Metadaten ein, bestimmen die Verbreitungsgebiete und den Preis. Dann gibt es einen Sichtungsprozess seitens der Anbieter und das ebook wird generiert. Schließlich wird das Werk auf der Plattform hochgeladen.

Wie lange dauert es danach bis zur Veröffentlichung?

Das kommt darauf an. Bei amazon ist das ebook in der Regel bereits nach wenigen nigen Stunden sichtbar, wobei das Cover und die „Blick ins Buch“-Funktion mitunter noch etwas länger auf sich warten lassen. Bei den Tolino-Händlern dauert es 3-5 Werktage und es ist auch nicht bei allen Händlern zur gleichen Zeit zu sehen. Nach meiner Erfahrung ist Weltbild am schnellsten, Thalia dauert am längsten, was aber natürlich verkraftbar ist.

Welche Vorteile bieten die Plattformen?

Amazons Kindle Direct Publishing bietet Autoren wegen seiner internationalen Ausrichtung eine enorme Reichweite und ausgeklügelte Marketingfunktionen, insbesondere dann, wenn man das Buch beim sogenannten KDP-Select-Programm anmeldet. Für die Teilnehmer dieses Programms werden darüber hinaus ab einer bestimmten Verkaufszahl monatlich Boni ausgeschüttet, was natürlich sehr interessant ist. Dafür schlägt amazon bei den Provisionen teilweise kräftig zu: Bis zu 65 Prozent behält der Gigant bei einem Titel der unteren Preiskategorie. Ab einem Verkaufspreis von 2,99 Euro darf der Autor 70 Prozent behalten.

Bei Tolino Media darf ich hingegen bei jedem Preis 70 Prozent selbst einbehalten und habe zudem einen exzellenten Kundenservice. In der Hotline erreicht man immer einen freundlichen Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin, die einem stets weiterhelfen kann. Auch wenn Tolino-Media vom Backend her in einigen Punkten noch mit Kinderkrankheiten zu kämpfen hat, kann man immer Preisaktionen ankündigen, die die Mitarbeiter an die einzelnen Händler weitergeben. Unterm Strich ist es eine sehr respektable Leistung, dass Tolino Media die Mitglieder der Allianz, die ja alle Konkurrenten sind, relativ reibungslos miteinander vereint.

Wie hoch sind jeweils die Anteile von Kindle- und Tolino-Readern in Deutschland?

Laut aktuellen Erhebungen soll der Anteil der Tolino-Allianz bei 45 Prozent liegen, während Kindle auf einen Anteil von 39 Prozent kommt. Ende letzten Jahres soll Tolino die Amerikaner, die in Deutschland lange an erster Stelle standen, erstmals überholt haben. Doch solche Angaben sind immer mit Vorsicht zu genießen.

Welchen Vorteil bieten die Plattformen gegenüber der Selbstvermarktung eines PDFs? Die Kosten sind doch wesentlich höher?

Das stimmt. Ich erreiche allerdings auf einer eigenen Plattform nicht so viele Käufer und ich kann nicht mit jedem Reader PDFs lesen.

Welchen Tipp würdest Du einem neuen Autor mitgeben, um so viele Downloads zu generieren wie Du?

Neue Autoren sollten sich nicht allein auf die Plattformen als Marketing-Instrument verlassen, sondern auch andere Kanäle wie Facebook, Twitter und eine eigene Website nutzen. Auch vor Kostenlos-Aktionen sollte man anfangs nicht zurückschrecken, denn man will ja schließlich eine breite Leser-Basis aufbauen.

Magst Du uns noch einen kleinen Ausblick auf Dein nächstes Werk geben?

Sehr gern. Das nächste Buch ist wieder ein Krimi und heißt „Leichenspiel“. Es ist die Fortsetzung des Münster-Krimis „Leichenernte“.

Kommissar Wilfried Kötter muss eine Serie von Todesfällen im Münsteraner Stadttheater aufklären und stößt dabei auf Ungeheuerliches. Mehr wird nicht verraten, das Buch gibt es aber Ende November, passend zum Weihnachtsgeschäft, zu kaufen.

Vielen Dank und weiterhin viel Erfolg

Die Website von Wilhelm J. Krefting ist erreichbar unter: http://thriller-und-krimis.de/

Bisher erschienene Werke von Wilhelm J. Krefting:

Am siebten Tage sollst Du sterben

Zum Kindle Download

Zum Tolino-Download

Todeshimmel

Zum Kindle-Download

Zum Tolino-Download

Leichenernte

Zum Kindle-Download

Zum Tolino-Download

Bild-Quelle: wn.de

Bild-Quelle: wn.de